Teneriffa im Winter: Warum sich eine Reise gerade jetzt lohnt
Während in Deutschland, Österreich oder der Schweiz im Januar Winterjacke, kurze Tage und grauer Himmel den Alltag bestimmen, sitzt man auf Teneriffa mit etwas Glück bei 22 Grad am Meer. Genau darin liegt der größte Reiz eines Winterurlaubs auf der Kanareninsel: Teneriffa ist nah genug für einen unkomplizierten europäischen Urlaub, fühlt sich klimatisch aber deutlich weiter entfernt an.
Allerdings ist „Winter auf Teneriffa“ nicht überall dasselbe. Zwischen dem sonnigen Süden, dem grünen Norden und dem mehr als 2.000 Meter hohen Teide-Nationalpark liegen teilweise enorme Wetterunterschiede. Wer die richtige Region wählt und weiß, was ihn zwischen Dezember und März erwartet, bekommt eine der interessantesten Reisezeiten des Jahres.
Wie warm ist Teneriffa im Winter wirklich?
An der Küste sind Dezember, Januar und Februar ausgesprochen mild. Im Süden rund um Costa Adeje, Playa de las Américas und Los Cristianos liegen die Tageshöchstwerte häufig ungefähr zwischen 20 und 24 °C. In der Sonne fühlt es sich schnell wärmer an, sodass T-Shirt und kurze Hose tagsüber keineswegs ungewöhnlich sind.
Nach Sonnenuntergang sieht es anders aus. Bei 15 bis 18 °C und Wind ist eine leichte Jacke angenehm. Wer abends an der Promenade von Los Cristianos oder an der Playa del Duque essen geht, sollte deshalb nicht ausschließlich Sommerkleidung einpacken.
Der Norden ist im Winter feuchter und wechselhafter. In Puerto de la Cruz, La Orotava oder Tacoronte können Wolken mehrere Stunden hängen bleiben, während 40 Kilometer weiter südlich die Sonne scheint. Dafür wirkt die Landschaft hier deutlich grüner.
Die vielleicht größte Überraschung wartet im Inselinneren: Im Teide-Nationalpark kann es im Winter empfindlich kalt werden. Schnee am Teide ist durchaus möglich. Ein Urlaubstag kann deshalb morgens aus einem Bad im Atlantik und wenige Stunden später aus einer Fahrt durch eine winterliche Vulkanlandschaft bestehen.
Süden oder Norden: Wo ist Teneriffa im Winter am besten?
Wer vor allem Sonne, Strand und möglichst stabiles Wetter sucht, sollte den Süden und Südwesten bevorzugen. Besonders zuverlässig sind Costa Adeje, Los Cristianos und Playa de las Américas. Auch Callao Salvaje, Playa Paraíso und Los Gigantes sind interessante Alternativen.
Costa Adeje bietet die komfortabelste Mischung aus Stränden, Restaurants und hochwertigen Hotels. Rund um Playa de Fañabé und Playa del Duque findet man gepflegte Promenaden und eine große gastronomische Auswahl. Der Nachteil sind höhere Übernachtungspreise, gerade über Weihnachten, Silvester und in den europäischen Schulferien.
Los Cristianos wirkt dichter bebaut und weniger exklusiv, ist dafür praktisch. Restaurants, Supermärkte, Busbahnhof, Hafen und mehrere Strände liegen nah beieinander. Für Reisende ohne Mietwagen ist der Ort oft die bessere Basis.
Im Norden ist Puerto de la Cruz eine gute Wahl für Besucher, denen Atmosphäre und Ausflüge wichtiger sind als eine möglichst hohe Sonnengarantie. Die Altstadt, der Bereich um die Plaza del Charco und die Küste bei Playa Jardín vermitteln ein ganz anderes Teneriffa als die Ferienzentren des Südens.
Kurz gesagt: Für klassischen Winter-Sonnenurlaub gewinnt der Süden. Für Landschaft, historische Orte und kanarischen Alltag ist der Norden interessanter.
Kann man im Dezember, Januar und Februar im Meer baden?
Ja – allerdings sollte man keine tropischen Wassertemperaturen erwarten. Der Atlantik liegt im Winter an Teneriffas Küsten meist ungefähr bei 19 bis 21 °C. Für viele Urlauber ist das problemlos badetauglich, für andere bereits recht frisch.
Entscheidend ist auch der Strand. An geschützten Buchten fühlt sich ein Winterbad wesentlich angenehmer an als an einer offenen, windigen Küste.
Zu den praktischsten Winterstränden gehören Playa de las Vistas zwischen Los Cristianos und Las Américas sowie Playa del Duque und Playa de Fañabé in Costa Adeje. Auch Playa de Las Teresitas bei Santa Cruz ist an ruhigen Tagen ausgezeichnet.
Im Norden sollte man stärker auf Wellengang achten. Der Atlantik kann dort im Winter kräftig werden. Ein spektakulärer Strand ist deshalb nicht automatisch ein guter Badestrand. Absperrungen und rote Flaggen sollte man ernst nehmen.
Wer warmes Wasser bevorzugt, ist mit einem Hotel mit beheiztem Pool besser beraten. Bei der Buchung lohnt sich die Nachfrage, ob der Pool tatsächlich beheizt wird – „Swimmingpool vorhanden“ bedeutet nicht automatisch angenehme Wassertemperaturen im Januar.
Winter ist eine der besten Zeiten zum Wandern
Für Wanderer kann der Winter sogar angenehmer sein als der Sommer. Temperaturen um 18 bis 23 °C an der Küste machen längere Touren deutlich komfortabler als die Hitze im August.
Besonders attraktiv ist das Anaga Rural Park im Nordosten. Rund um Taganana, Chinamada und Cruz del Carmen führen Wege durch Lorbeerwald, Schluchten und steile Berglandschaften. Allerdings sollte man hier mit Nebel, Feuchtigkeit und schnellen Wetterwechseln rechnen.
Ein starker Kontrast dazu ist der Teide-Nationalpark. Die Runde um die Roques de García gehört zu den unkompliziertesten Möglichkeiten, die Vulkanlandschaft zu Fuß zu erleben. Bei Schnee oder Eis können allerdings Straßen und Wanderwege zeitweise eingeschränkt werden.
Auch Teno Alto, Masca und das Teno-Gebirge lohnen sich im Winter. Gute Wanderschuhe sind hier sinnvoller als reine Urlaubssneaker.
Walbeobachtung: Im Winter besonders interessant
Die Gewässer zwischen Teneriffa und La Gomera gehören zu den bekanntesten europäischen Gebieten für Whale Watching. Von Puerto Colón in Costa Adeje sowie von Los Cristianos und Los Gigantes starten regelmäßig Bootstouren.
Vor allem Grindwale und Große Tümmler leben ganzjährig in der Region. Eine typische Tour dauert etwa zwei bis drei Stunden. Je nach Boot, Gruppengröße und Leistungsumfang sollte man grob mit 30 bis 70 Euro pro Person rechnen; kleine Segelboote oder exklusivere Touren können deutlich mehr kosten.
Wer schnell seekrank wird, sollte eine größere, stabilere Tour einem kleinen Schlauchboot vorziehen. Im Winter kann der Atlantik unruhiger sein. Auch bei 23 °C an Land ist auf dem offenen Meer eine Windjacke hilfreich.
Was kostet Teneriffa im Winter?
Ein häufiger Irrtum ist, dass der Winter automatisch Nebensaison bedeutet. Für Teneriffa gilt eher das Gegenteil: Wenn Nordeuropa friert, steigt die Nachfrage nach den Kanaren.
Besonders teuer sind Weihnachten, Silvester sowie Ferienwochen im Januar und Februar. Ein einfaches Doppelzimmer oder Apartment kann außerhalb der Spitzenzeiten etwa 60 bis 100 Euro pro Nacht kosten. Ordentliche Mittelklassehotels liegen häufig bei 100 bis 180 Euro, gute Vier- und Fünf-Sterne-Häuser in Costa Adeje schnell bei 180 bis über 300 Euro pro Nacht.
Im Norden findet man häufig ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als unmittelbar an den Stränden von Costa Adeje.
Auch Mietwagen schwanken stark im Preis. Außerhalb stark nachgefragter Wochen sind Kleinwagen teilweise für etwa 25 bis 45 Euro pro Tag erhältlich; in Ferienzeiten kann es erheblich teurer werden. Auf Teneriffa lohnt sich ein Preisvergleich bei etablierten kanarischen Vermietern wie Cicar oder AutoReisen.
Was man im Winter besser vermeiden sollte
Der größte Fehler ist, Teneriffa wie eine kleine, klimatisch einheitliche Badeinsel zu behandeln. Eine Wetter-App kann für Puerto de la Cruz Regen anzeigen, während in Costa Adeje gleichzeitig blauer Himmel herrscht. Bei schlechtem Wetter lohnt es sich deshalb oft, die Inselseite zu wechseln.
Ebenso wenig sollte man in Shorts zum Teide fahren, nur weil es am Hotelpool warm ist. Zwischen Meereshöhe und den Hochlagen liegen enorme Temperaturunterschiede.
Bei der Unterkunft ist außerdem Vorsicht mit sehr günstigen Angeboten in höheren Lagen geboten. Ein Apartment auf 700 oder 900 Metern Höhe kann im Januar abends erstaunlich kühl sein. Nicht jede kanarische Wohnung verfügt über eine richtige Heizung.
Wer hauptsächlich Strandurlaub möchte, sollte daher eine Unterkunft nahe der Küste wählen. Orte im Inselinneren sind landschaftlich reizvoll, aber klimatisch kein Ersatz für Costa Adeje oder Los Cristianos.
Für wen lohnt sich Teneriffa im Winter besonders?
Teneriffa funktioniert im Winter besonders gut für Reisende, die nicht zwingend 30 Grad brauchen. Die Insel bietet genügend Wärme für Frühstück auf der Terrasse, Strandtage und Spaziergänge am Meer, ohne dass die Hitze Ausflüge oder Wanderungen anstrengend macht.
Für Familien sind die touristisch gut erschlossenen Orte im Süden praktisch. Wanderer profitieren von angenehmen Temperaturen. Langzeiturlauber finden im Norden und in weniger touristischen Küstenorten häufig mehr Alltag und teilweise günstigere Unterkünfte. Und wer möglichst zuverlässig Sonne möchte, konzentriert sich auf die Küste zwischen Los Cristianos und Los Gigantes.
Fazit: Teneriffa im Winter ist mehr als eine Flucht vor der Kälte
Der Winter gehört zu den vielseitigsten Jahreszeiten auf Teneriffa. Morgens kann man an der Südküste bei über 20 Grad Kaffee trinken, mittags durch die Vulkanlandschaft am Teide fahren und am nächsten Tag im feuchten Lorbeerwald von Anaga wandern.
Wer hauptsächlich Sonne und Baden sucht, ist in Costa Adeje, Los Cristianos oder Playa de las Américas am besten aufgehoben. Wer grüne Landschaften, historische Orte und mehr kanarisches Leben erleben möchte, sollte Puerto de la Cruz, La Orotava und den Norden einplanen.
Gerade diese Unterschiede machen Teneriffa im Winter so attraktiv: Statt eines reinen Badeurlaubs bekommt man auf relativ kleinem Raum Strand, Berge, Vulkanlandschaften, Wanderwege und Städte – und das mitten im europäischen Winter.
