Teneriffa Reiseführer

Entdecke Teneriffa: Strände, Natur und Erlebnisse auf den Kanarischen Inseln

Weine auf Teneriffa: Bodegas, Rebsorten und Weinregionen

Teneriffa ist nicht nur für den Teide, schwarze Vulkanstrände und ganzjährig mildes Klima bekannt. Die Insel besitzt auch eine überraschend vielfältige Weinkultur. Zwischen Atlantikküste und den Berghängen wachsen Reben auf vulkanischen Böden, teilweise bis auf etwa 1.600 Meter Höhe. Das Ergebnis sind Weiß-, Rot- und Süßweine mit einem Charakter, der sich deutlich von vielen klassischen europäischen Weinregionen unterscheidet.

Besonders interessant ist Teneriffa für Weinliebhaber, weil hier zahlreiche traditionelle Rebsorten erhalten geblieben sind. Die Kanarischen Inseln wurden zudem von der Reblauskatastrophe des 19. Jahrhunderts verschont. Deshalb findet man noch heute wurzelechte Reben und teilweise sehr alte Weinberge. Wer die Insel besucht, sollte zumindest einen lokalen Listán Blanco oder Listán Negro probieren – noch interessanter wird es bei einem Besuch direkt in einer Bodega.

Warum der Weinbau auf Teneriffa so außergewöhnlich ist

Auf einer relativ kleinen Insel treffen sehr unterschiedliche Bedingungen aufeinander. Der feuchtere Norden wird von den Passatwinden beeinflusst, während der Süden trockener und sonniger ist. Gleichzeitig steigen die Weinberge von der Küste bis weit in die Höhenlagen an. Temperatur, Niederschlag und Sonneneinstrahlung können sich deshalb innerhalb weniger Kilometer deutlich verändern.

Hinzu kommen die vulkanischen Böden. Je nach Gebiet wachsen die Reben auf unterschiedlichen Asche-, Lava- und Gesteinsschichten. Man sollte allerdings nicht erwarten, dass jeder Teneriffa-Wein automatisch gleich „vulkanisch“ schmeckt. Rebsorte, Höhenlage, Mikroklima und Arbeit des Winzers sind mindestens ebenso entscheidend.

Terrassierter Weinberg mit Rebstöcken und Trockenmauern im Norden Teneriffas

Die Weinregionen Teneriffas

Auf Teneriffa gibt es fünf traditionelle geschützte Herkunftsgebiete: Tacoronte-Acentejo, Valle de La Orotava, Ycoden-Daute-Isora, Abona und Valle de Güímar. Hinzu kommen Weine unter der übergeordneten Herkunftsbezeichnung Islas Canarias. Für Besucher ist diese Aufteilung durchaus praktisch, denn die einzelnen Gebiete zeigen, wie unterschiedlich Wein auf derselben Insel sein kann.

Tacoronte-Acentejo: das klassische Weinland im Norden

Tacoronte-Acentejo liegt im Norden und Nordosten Teneriffas und gehört zu den bekanntesten Weinregionen der Insel. Die Landschaft zwischen Tacoronte, El Sauzal und den umliegenden Gemeinden ist von grünen Hängen, kleinen Parzellen und verstreuten Weinbergen geprägt. Besonders bekannt ist die Region für Rotweine, wobei auch interessante Weiß- und Roséweine produziert werden.

Eine der bekanntesten Bodegas ist Bodegas Monje in El Sauzal. Das Weingut eignet sich gut für Besucher, die Weinprobe und Gastronomie miteinander verbinden möchten. Neben dem Verkauf werden Führungen durch die Bodega angeboten. Nach aktuellen Angaben ist die Bodega mit Shop täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr geöffnet; Führungen finden normalerweise um 11:00, 13:00 und 16:00 Uhr statt. Eine Reservierung ist besonders in der Hauptsaison sinnvoll.

Bodegas Monje
Camino Cruz de Leandro, 36
38359 El Sauzal, Tenerife
Tel.: +34 922 58 50 27
E-Mail: info@bodegasmonje.com
Website: https://bodegasmonje.com/

Valle de La Orotava: Weinberge mit Cordón Trenzado

Das Orotava-Tal ist landschaftlich eine der eindrucksvollsten Weinregionen Teneriffas. Das Anbaugebiet erstreckt sich über La Orotava, Los Realejos und Puerto de la Cruz. Besonders bemerkenswert ist die traditionelle Erziehungsform Cordón Trenzado. Dabei werden die langen Rebtriebe miteinander verflochten; manche dieser „geflochtenen Kordeln“ erreichen mehrere Meter Länge.

Das Tal ist vor allem für Listán Blanco und Listán Negro interessant. Wer ohnehin La Orotava oder Puerto de la Cruz besucht, kann einen Abstecher zu einer Bodega wesentlich einfacher in den Tagesablauf integrieren als eine separate Weinreise zu planen.

Ycoden-Daute-Isora: vom Nordwesten bis in höhere Lagen

Die D.O. Ycoden-Daute-Isora umfasst einen großen Teil des Nordwestens und Westens der Insel. Orte wie Icod de los Vinos sind schon durch ihren Namen eng mit der Weintradition verbunden. Das Gebiet besitzt erhebliche Höhenunterschiede und produziert sowohl Weiß- als auch Rotweine.

Für Reisende, die Garachico, Icod de los Vinos oder den Teno-Raum erkunden, ist diese Region besonders interessant. Eine Weinprobe lässt sich hier gut mit einer Tour durch den Nordwesten verbinden.

Abona: Wein aus den Höhenlagen des Südens

Abona zeigt eine ganz andere Seite des Weinbaus. Die Region umfasst unter anderem Vilaflor, Granadilla de Abona, San Miguel de Abona, Arico und Fasnia. Einige Weinberge liegen außergewöhnlich hoch. Viel Sonne, trockene Luft und deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht schaffen gute Bedingungen insbesondere für Weißweine.

Eine bekannte Adresse ist Bodegas Reverón bei Vilaflor. Die Lage ist praktisch für Urlauber im Süden: Der Besuch lässt sich beispielsweise mit Vilaflor und einer Fahrt in Richtung Teide kombinieren.

Bodegas Reverón
Ctra. General Vilaflor, La Escalona, Los Quemados 8
38618 Vilaflor, Tenerife
Tel.: +34 922 72 50 44 / +34 609 857 226
Website: https://www.bodegareveron.com/

Valle de Güímar

Auch die Ostseite Teneriffas besitzt eine eigene Herkunftsbezeichnung. Das Valle de Güímar umfasst Weinlagen in Arafo, Candelaria und Güímar. Durch die Höhenunterschiede entstehen auch hier verschiedene Mikroklimata. Für Besucher, die im Raum Santa Cruz, Radazul oder Candelaria wohnen, ist diese Region eine interessante Alternative zu den bekannteren Weinrouten im Norden.

Casa del Vino in El Sauzal: ideal zum Kennenlernen

Wer nicht mehrere Bodegas besuchen möchte, findet in der Casa del Vino de Tenerife in El Sauzal einen sehr guten Einstieg in die Weinwelt der Insel. Sie befindet sich in einer historischen kanarischen Hacienda und kombiniert Weinmuseum, Verkostung, Vinothek, Gastronomie und Informationen über die Landwirtschaft Teneriffas.

Besonders interessant ist die Vinothek: Sie führt mehr als 300 Referenzen von Teneriffa. Dadurch kann man Weine unterschiedlicher Regionen und Produzenten vergleichen, ohne von Bodega zu Bodega fahren zu müssen. Angeboten werden außerdem Verkostungen. Aktuell liegen beispielsweise verschiedene Verkostungsangebote ungefähr zwischen 16 und 30 Euro, abhängig von der Auswahl und den begleitenden lokalen Produkten.

Casa del Vino de Tenerife
Calle San Simón, 49
38360 El Sauzal, Santa Cruz de Tenerife
Tel.: +34 922 57 25 35
Website: https://www.casadelvinotenerife.com/

Für Besucher ohne große Weinkenntnisse ist die Casa del Vino oft sinnvoller als der spontane Kauf einer teuren Flasche: Man kann unterschiedliche Stilrichtungen probieren und anschließend gezielt den Wein kaufen, der tatsächlich gefällt.

Typische Rebsorten: Was sollte man probieren?

Die größte Besonderheit Teneriffas sind nicht internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon oder Chardonnay, sondern die traditionellen kanarischen Reben. Zu den wichtigsten gehören:

Wie schmecken Weine von Teneriffa?

Ein einheitliches Geschmacksprofil gibt es aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen und Klimazonen nicht. Viele Weißweine wirken frisch, trocken und aromatisch; bei einigen findet man eine leicht salzige oder mineralische Wahrnehmung. Rotweine aus Listán Negro können von leicht und fruchtig bis würzig und komplex reichen.

Malvasía verdient besondere Aufmerksamkeit. Die Rebsorte spielte historisch eine wichtige Rolle für den Weinexport der Kanaren. Heute findet man sowohl trockene Varianten als auch intensive Süßweine, die beispielsweise zu Dessert oder gereiftem Käse passen.

Was kostet guter Wein auf Teneriffa?

Im Supermarkt beginnen einfache lokale Weine teilweise bei etwa 5 bis 8 Euro pro Flasche. Wer gezielt bei einer Bodega oder in einer guten Vinothek einkauft, findet im Bereich von ungefähr 10 bis 20 Euro bereits viele interessante Weine. Kleine Produktionen, besondere Rebsorten, Einzellagen oder länger ausgebaute Weine können deutlich mehr kosten.

Für Urlauber ist eine Flasche im mittleren Preisbereich häufig das bessere Souvenir als ein beliebiger „kanarischer Wein“ aus einem touristischen Geschäft. In einer Bodega oder der Casa del Vino kann man sich erklären lassen, wo die Trauben wachsen und welche Rebsorte verwendet wurde.

Welcher Wein passt zur kanarischen Küche?

Ein trockener Listán Blanco passt hervorragend zu gegrilltem Fisch, Tintenfisch und anderen Meeresfrüchten. Kräftigere Weißweine können gut mit kanarischem Ziegenkäse kombiniert werden. Listán Negro eignet sich je nach Ausbau zu gegrilltem Fleisch, Kaninchen und herzhaften Eintöpfen.

Bei Papas arrugadas mit Mojo hängt die Wahl auch von der Sauce ab. Zu Mojo verde funktioniert ein frischer Weißwein häufig sehr gut; bei kräftigem oder scharfem Mojo rojo kann ein aromatischer Rosé oder leichter Rotwein interessanter sein.

Praktische Tipps für eine Weintour auf Teneriffa

Für einen ersten Weinausflug ist El Sauzal besonders praktisch, weil sich dort die Casa del Vino und Bodegas Monje befinden. Wer zusätzlich traditionelle Weinlandschaften sehen möchte, kann die Tour über Tacoronte in Richtung La Orotava fortsetzen.

Vom Süden aus bietet sich dagegen Vilaflor an. So lässt sich eine Bodega mit einer Fahrt durch die höher gelegenen Landschaften Teneriffas verbinden. Bei kleinen Weingütern sollte man Öffnungszeiten und Besichtigungsmöglichkeiten vorher prüfen: Nicht jede Bodega ist ein touristischer Betrieb mit ganztägig geöffnetem Verkostungsraum.

Wer mehrere Weine verkosten möchte, sollte selbstverständlich nicht selbst weiterfahren. Eine organisierte Weintour, ein Taxi oder ein Fahrer ohne Alkoholkonsum ist dann die bessere Lösung.

Fazit: Teneriffa durch seine Weine kennenlernen

Die Weine Teneriffas erzählen viel über die Insel selbst: Vulkanismus, Höhenunterschiede, Passatwinde, alte landwirtschaftliche Traditionen und zahlreiche kleine Anbaugebiete treffen hier auf engem Raum zusammen. Gerade Sorten wie Listán Blanco, Listán Negro, Malvasía oder Marmajuelo machen eine Verkostung interessanter als die Suche nach international bekannten Rebsorten.

Wer einen unkomplizierten Einstieg sucht, ist in der Casa del Vino in El Sauzal gut aufgehoben. Für ein klassisches Bodega-Erlebnis bietet sich Bodegas Monje an, während Bodegas Reverón eine interessante Adresse für Besucher im Süden ist. Noch spannender wird es, Wein nicht isoliert zu betrachten, sondern mit einer Fahrt durch Tacoronte, das Orotava-Tal, Icod oder die Höhenlagen bei Vilaflor zu verbinden. So wird aus einer einfachen Weinprobe eine weitere Möglichkeit, die außergewöhnliche Landschaft und Kultur Teneriffas kennenzulernen.

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