Vulkanlandschaften auf Teneriffa: Teide, Lavafelder und die schönsten Vulkanwanderungen
Teneriffa ist eine Insel, deren Landschaft ohne Vulkanismus nicht denkbar wäre. Schwarze Lavafelder, rötliche Vulkankegel, bizarre Felsformationen und dunkle Strände begleiten Besucher praktisch überall. Über allem erhebt sich der 3.715 Meter hohe Teide, Spaniens höchster Berg und das bekannteste Wahrzeichen der Kanarischen Inseln.
Besonders spannend ist die enorme Vielfalt. Im Teide-Nationalpark erinnert die Landschaft stellenweise an einen anderen Planeten, am Chinyero sieht man vergleichsweise junge Lavafelder, während Anaga und Teno zeigen, was Millionen Jahre Erosion aus einem vulkanischen Gebirge machen. Wer Teneriffa nicht nur vom Strand aus kennenlernen möchte, sollte deshalb mindestens einen Tag für seine Vulkanlandschaften einplanen.
Wie die Vulkanlandschaften Teneriffas entstanden sind
Teneriffa entstand über Millionen von Jahren durch vulkanische Aktivität am Grund des Atlantiks. Verschiedene vulkanische Zentren bauten die Insel nach und nach auf. Neue Eruptionen, gewaltige Erdrutsche sowie die Erosion durch Wind und Wasser formten anschließend die Landschaft, die wir heute sehen.
Die vulkanische Vergangenheit ist auf der gesamten Insel sichtbar. Typisch sind:
- schwarze und rötliche Lavafelder,
- Krater und Vulkankegel,
- schwarze Sandstrände,
- Basaltklippen und zerklüftete Küsten,
- helle Bimssteinflächen in den Hochlagen,
- tiefe Schluchten in den älteren Vulkanmassiven.
Gerade die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen machen Teneriffa geologisch so interessant. Eine Küstenwanderung bei El Médano vermittelt einen völlig anderen Eindruck als ein Spaziergang auf über 2.000 Metern Höhe im Teide-Nationalpark.
Teide-Nationalpark – das Zentrum der Vulkanwelt Teneriffas
Der Parque Nacional del Teide ist der wichtigste Ort für alle, die Teneriffas vulkanische Landschaft kennenlernen möchten. Im Zentrum liegt der Teide, umgeben von der gewaltigen Caldera Las Cañadas. Auf mehr als 2.000 Metern Höhe wechseln sich schwarze Lavaströme, rötliche Krater, helle Bimssteinflächen und bizarre Felsformationen ab.
Zu den einfachsten und zugleich eindrucksvollsten Stopps gehören die Roques de García gegenüber dem Parador de Las Cañadas del Teide. Die bekannten Felsformationen lassen sich von Aussichtspunkten betrachten oder auf einem Rundweg aus unterschiedlichen Perspektiven erleben.
Sehr sehenswert sind außerdem die Minas de San José an der TF-21. Die hellen Bimssteinflächen bilden dort einen starken Kontrast zu den dunkleren Lavaformationen. Wer mit dem Auto durch den Nationalpark fährt, sollte für die Strecke deshalb deutlich mehr Zeit einplanen, als das Navigationsgerät für die reine Fahrt berechnet.
Mit der Seilbahn auf den Teide
Eine weitere Möglichkeit ist die Fahrt mit der Teleférico del Teide. Die Talstation liegt an der TF-21 auf etwa 2.350 Metern Höhe, die Bergstation La Rambleta auf rund 3.555 Metern. Von dort eröffnet sich bei guter Sicht ein außergewöhnlicher Blick über Teneriffa und teilweise zu den Nachbarinseln.
Die Seilbahnfahrt ist allerdings nicht mit einer Besteigung des Gipfels gleichzusetzen. Für bestimmte Wanderwege in der Gipfelregion gelten Zugangsbeschränkungen und Genehmigungspflichten. Wer bis ganz nach oben möchte, sollte die aktuellen Bestimmungen frühzeitig prüfen. Auch einzelne Wanderwege können wegen Schnee, Eis, Wind oder anderer Bedingungen vorübergehend geschlossen werden.
Nationalparkverwaltung:
Parque Nacional del Teide
C/ Doctor Sixto Perera González, 25
38300 La Orotava, Santa Cruz de Tenerife
Telefon: +34 922 922 371
Chinyero – junge Lava im Nordwesten Teneriffas
Wer sehen möchte, wie eine vergleichsweise junge Vulkanlandschaft auf Teneriffa aussieht, sollte zum Chinyero fahren. Hier fand 1909 die bislang letzte Eruption auf der Insel statt. Dunkle Lavafelder ziehen sich durch eine Landschaft, die inzwischen teilweise wieder von kanarischen Kiefern und anderer Vegetation erobert wurde.
Besonders reizvoll ist der Kontrast zwischen tiefschwarzem Lavagestein und grünen Kiefern. Rund um Chinyero gibt es ausgeschilderte Wanderwege, auf denen sich diese Landschaft ohne extreme Steigungen erkunden lässt. Der geschützte Vulkankegel selbst sollte nicht abseits der zugelassenen Wege bestiegen werden.
Chinyero eignet sich besonders für Besucher, die bereits den Teide-Nationalpark gesehen haben und eine weniger touristisch wirkende Vulkanlandschaft kennenlernen möchten. Gute Ausgangspunkte befinden sich unter anderem im Gebiet von San José de Los Llanos.
Montaña Roja bei El Médano – Vulkanlandschaft direkt am Meer
Ein völlig anderes Bild bietet die Montaña Roja im Süden Teneriffas. Der markante rötliche Vulkankegel liegt zwischen El Médano und der Playa de La Tejita unmittelbar am Atlantik. Vulkanisches Gestein, Sandstrand und blaues Meer treffen hier auf engstem Raum zusammen.
Das Gebiet eignet sich hervorragend für einen halbtägigen Ausflug. Eine Wanderung lässt sich beispielsweise mit einem Aufenthalt an der Playa de La Tejita oder einem Besuch von El Médano verbinden. Im Vergleich zum Teide sind die Höhenunterschiede gering, allerdings können Sonne und Wind hier ausgesprochen kräftig sein.
Wer im Süden Teneriffas Urlaub macht und nicht für jede Vulkanlandschaft ins Inselzentrum fahren möchte, findet an der Montaña Roja eine besonders leicht erreichbare Alternative.
Anaga-Gebirge – die alte vulkanische Seite Teneriffas
Nicht jede Vulkanlandschaft besteht aus frischen schwarzen Lavafeldern. Das Anaga-Gebirge im Nordosten gehört zu den ältesten Teilen Teneriffas. Millionen Jahre der Erosion haben tiefe Barrancos, schmale Bergrücken und spektakuläre Steilküsten geschaffen.
Besonders interessant ist der Wechsel zwischen feuchten Lorbeerwäldern in höheren Lagen und trockeneren Hängen an der Küste. Orte wie Taganana, Almáciga und Benijo eignen sich gut, um diese Landschaft mit einer Fahrt durch das Gebirge zu verbinden.
Im Gegensatz zum offenen Hochland rund um den Teide wirkt Anaga enger, grüner und stärker zerklüftet. Gerade dieser Vergleich zeigt, wie unterschiedlich Vulkanlandschaften aussehen können, wenn sie über sehr lange Zeit Wind, Regen und Erosion ausgesetzt sind.
Teno und Masca – erodierte Vulkanlandschaften im Westen
Ähnlich eindrucksvoll ist das Teno-Gebirge im Nordwesten. Tiefe Schluchten und steile Felswände prägen die Landschaft rund um Masca. Die spektakulären Formen entstanden nicht durch eine einzelne junge Eruption, sondern durch die jahrmillionenlange Erosion eines alten Vulkanmassivs.
Masca gehört zu den bekanntesten Ausflugszielen der Insel. Wer vor allem Ruhe sucht, findet im weiteren Teno-Gebiet jedoch auch weniger besuchte Landschaften, beispielsweise rund um Teno Alto. Die schmalen und kurvenreichen Straßen benötigen teilweise mehr Fahrzeit, als die Entfernung auf der Karte vermuten lässt.
Vulkanlandschaften entlang der Küste
Auch unmittelbar am Atlantik ist die vulkanische Entstehung Teneriffas überall erkennbar. Erstarrte Lava bildet natürliche Becken, kleine Buchten, Klippen und bizarre Felsformationen. Besonders an der Nordküste treffen die dunklen Felsen häufig auf eine deutlich wildere Brandung als an vielen Stränden im Süden.
Gute Beispiele für vulkanisch geprägte Küsten findet man unter anderem bei Garachico, an verschiedenen Abschnitten der Nordküste und im Süden bei Costa del Silencio. Beim Erkunden natürlicher Lavaflächen direkt am Meer ist allerdings Vorsicht angebracht: Nasses Lavagestein kann sehr rutschig sein, während die trockenen Kanten oft ausgesprochen scharf sind.
Malpaís de Güímar – Lavafelder für eine leichte Küstenwanderung
Eine der interessantesten Vulkanlandschaften an der Ostküste ist das Malpaís de Güímar. Das Naturschutzgebiet reicht von der Montaña Grande bis zum Atlantik. Dunkle Lavafelder werden hier von Tabaibas, Cardones und anderen an das trockene Klima angepassten Pflanzen besiedelt.
Im Vergleich zu Wanderungen im Teide-Nationalpark sind die Höhenunterschiede gering. Dadurch eignet sich das Malpaís gut für Besucher, die Vulkanlandschaft zu Fuß erleben möchten, ohne eine anspruchsvolle Bergtour zu unternehmen. Schatten gibt es allerdings kaum, weshalb die Wanderung im Sommer besser am Morgen oder am späteren Nachmittag geplant wird.
Welche Vulkanlandschaft passt zu welchem Ausflug?
- Teide-Nationalpark: die beste Wahl für den ersten Besuch und die spektakulärsten Hochgebirgslandschaften.
- Chinyero: ideal für Wanderer, die relativ junge Lavafelder erleben möchten.
- Montaña Roja: perfekt, wenn Vulkanlandschaft und Strand an einem Tag kombiniert werden sollen.
- Malpaís de Güímar: eine gute Wahl für eine leichtere Wanderung durch Lavafelder nahe der Küste.
- Anaga: besonders interessant für alte Vulkanlandschaften, Schluchten, Steilküsten und Vegetation.
- Teno und Masca: ideal für dramatische Berglandschaften und spektakuläre Aussichtspunkte.
Praktische Tipps für Wanderungen durch Vulkanlandschaften
Vulkanisches Gelände stellt andere Anforderungen als ein gewöhnlicher Spazierweg. Festes Schuhwerk mit griffiger Sohle ist empfehlenswert, denn Lavagestein kann scharfkantig, locker oder rutschig sein. Ausreichend Wasser und Sonnenschutz gehören ebenfalls in den Rucksack.
Besonders wichtig sind die Höhenunterschiede auf Teneriffa. Während an der Küste sommerliche Temperaturen herrschen können, ist es im Teide-Nationalpark deutlich kühler. Wind verstärkt diesen Effekt. Eine zusätzliche Jacke ist deshalb selbst dann sinnvoll, wenn man morgens bei warmem Wetter vom Hotel startet.
Für Wanderungen im Teide-Nationalpark und in anderen Schutzgebieten sollten vor der Abfahrt außerdem aktuelle Wegsperrungen und Zugangsbestimmungen kontrolliert werden. Offizielle Informationen zu Wanderwegen, Genehmigungen und Einschränkungen bietet Tenerife ON.
Fazit: Teneriffas Vulkanlandschaften zeigen die Insel von ihrer spannendsten Seite
Die Vulkanlandschaften auf Teneriffa sind weit vielfältiger als der berühmte Teide allein. Im Inselzentrum dominieren gewaltige Krater, Lavafelder und Hochgebirgslandschaften, am Chinyero trifft man auf Spuren der jüngsten Eruption, während Montaña Roja vulkanische Natur unmittelbar mit Strand und Atlantik verbindet.
Anaga und Teno zeigen wiederum, wie Wind, Wasser und Vegetation ein vulkanisches Gebirge über Millionen Jahre verändern. Wer mehrere dieser Gebiete besucht, bekommt deshalb nicht nur schöne Landschaften zu sehen, sondern versteht auch besser, wie Teneriffa entstanden ist.
Für den ersten Besuch bleibt der Teide-Nationalpark die wichtigste Empfehlung. Wer mehr Zeit hat, sollte jedoch mindestens eine Küstenlandschaft und eines der alten Gebirge ergänzen. Gerade der Vergleich zwischen Teide, Montaña Roja, Chinyero und Anaga macht deutlich, warum Teneriffa zu den faszinierendsten Vulkaninseln Europas gehört.



