Naturparks auf Teneriffa: Teide, Anaga, Teno und Corona Forestal
Teneriffa ist nicht nur für seine Strände und das ganzjährig milde Klima bekannt. Die Insel besitzt eine außergewöhnliche Vielfalt geschützter Landschaften: vulkanisches Hochgebirge rund um den Teide, feuchte Lorbeerwälder im Anaga-Gebirge, tiefe Schluchten im Teno-Massiv und ausgedehnte kanarische Kiefernwälder in der Corona Forestal. Wer Teneriffa abseits der Ferienorte kennenlernen möchte, findet hier einige der eindrucksvollsten Naturerlebnisse der Kanarischen Inseln.
Streng genommen handelt es sich nicht bei allen Gebieten um „Naturparks“ derselben Schutzkategorie. Der Teide ist ein Nationalpark, Corona Forestal ein Parque Natural und Anaga sowie Teno sind als Parques Rurales geschützt. Für Urlauber ist diese Unterscheidung weniger wichtig als die enorme landschaftliche Vielfalt: Jeder dieser Parks zeigt eine völlig andere Seite Teneriffas.
Teide-Nationalpark – Vulkanlandschaft im Herzen Teneriffas
Der Parque Nacional del Teide ist das bekannteste Naturgebiet der Insel und gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Im Mittelpunkt steht der 3.715 Meter hohe Pico del Teide, der höchste Berg Spaniens. Doch der Nationalpark besteht keineswegs nur aus dem Gipfel. Die riesige Caldera Las Cañadas, erstarrte Lavaströme, Bimssteinflächen und bizarre Felsformationen machen bereits die Fahrt durch das Hochland zu einem Erlebnis.
Für einen ersten Besuch sind die Roques de García gegenüber dem Parador de Las Cañadas del Teide besonders empfehlenswert. Schon vom Aussichtspunkt lässt sich die charakteristische Felslandschaft gut überblicken. Wer mehr Zeit hat, kann den Rundweg um die Roques de García gehen. Ebenfalls sehenswert sind die hellen Vulkanflächen bei Minas de San José an der TF-21.
Seilbahn, Gipfel und praktische Planung
Der Nationalpark selbst kann kostenlos besucht werden. Zusätzliche Kosten entstehen beispielsweise für die Teide-Seilbahn oder organisierte Touren. Wer bis zum eigentlichen Gipfel möchte, muss die aktuellen Zugangsregeln beachten. Für bestimmte Wanderwege im Gipfelbereich gelten Reservierungs- beziehungsweise Genehmigungspflichten. Die Bedingungen können sich ändern, deshalb sollte man den aktuellen Status vor der Fahrt über das offizielle Wander- und Reservierungssystem Tenerife ON kontrollieren.
Auch das Wetter darf nicht unterschätzt werden. Während an der Südküste mehr als 25 °C herrschen können, ist es auf über 2.000 Metern wesentlich kühler. Im Winter sind Frost und Schnee möglich. Eine Jacke, feste Schuhe, Wasser und Sonnenschutz gehören deshalb auch an sonnigen Tagen zur Grundausstattung.
Anaga Ruralpark – Lorbeerwald, Berge und wilde Küste
Der Parque Rural de Anaga im Nordosten Teneriffas könnte landschaftlich kaum stärker vom Teide abweichen. Das alte Gebirgsmassiv ist von steilen Bergrücken, tiefen Barrancos und dichtem Lorbeerwald geprägt. Wolken ziehen häufig durch die Höhenlagen und sorgen für eine fast mystische Atmosphäre.
Ein idealer Ausgangspunkt ist Cruz del Carmen oberhalb von La Laguna. Hier befindet sich das Besucherzentrum des Parks. In unmittelbarer Umgebung beginnen mehrere Wanderwege, darunter der bekannte Sendero de los Sentidos, der sich auch für einen kurzen Ausflug eignet.
Centro de Visitantes Cruz del Carmen:
Carretera de Las Mercedes, km 6, 38294 La Laguna
Telefon: 922 633 576
E-Mail: cvisitantes@tenerife.es
Das Besucherzentrum bietet Informationen zu Wanderwegen, Natur und Kultur des Anaga-Gebirges. Nach Angaben des Cabildo ist es im Juli, August und September täglich von 9:30 bis 15:00 Uhr geöffnet, während für den übrigen Teil des Jahres grundsätzlich längere Öffnungszeiten bis 16:00 Uhr gelten. Vor einer gezielten Anfahrt empfiehlt sich trotzdem eine aktuelle Kontrolle der Öffnungszeiten.
Von Cruz del Carmen nach Taganana und Benijo
Wer einen ganzen Tag zur Verfügung hat, kann die Höhenlagen von Anaga mit der Nordküste kombinieren. Die Straße führt über zahlreiche Aussichtspunkte hinunter nach Taganana und weiter Richtung Roque de las Bodegas, Almáciga und Benijo. Gerade dieser Wechsel vom feuchten Wald zur schroffen Atlantikküste macht Anaga besonders interessant.
Die Strecken sind allerdings kurvenreicher, als die kurzen Entfernungen auf der Karte vermuten lassen. Für Cruz del Carmen, Taganana und die Küste sollte man daher mehrere Stunden einplanen. An Wochenenden sind Parkmöglichkeiten an beliebten Ausgangspunkten schnell belegt.
Teno Ruralpark – Schluchten und spektakuläre Landschaften im Nordwesten
Der Parque Rural de Teno liegt im äußersten Nordwesten Teneriffas. Die Landschaft ist rauer und offener als in Anaga und wird von tiefen Schluchten, steilen Berghängen, kleinen landwirtschaftlich geprägten Siedlungen und eindrucksvollen Küstenformationen bestimmt.
Zu den bekanntesten Orten gehört Masca. Das kleine Bergdorf liegt spektakulär zwischen hohen Felswänden und gehört zu den meistbesuchten Ausflugszielen im Westen der Insel. Wer lediglich die Landschaft genießen möchte, kann Masca mit Aussichtspunkten entlang der TF-436 verbinden. Die Wanderung durch die Masca-Schlucht ist dagegen ein eigenständiger Ausflug, für den besondere Zugangs- und Reservierungsregeln gelten.
Ruhiger ist Teno Alto. Das Hochland eignet sich gut für Besucher, die eine ländliche Seite Teneriffas erleben möchten und gerne wandern. Hier trifft man auf Weidelandschaften, traditionelle Wege und kleine Siedlungen statt auf große touristische Einrichtungen.
Punta de Teno: Zufahrt vorher prüfen
Ein weiteres Highlight ist die Punta de Teno an der äußersten Westspitze. Von hier reicht der Blick über den Atlantik und entlang der gewaltigen Steilküste Richtung Los Gigantes. Die Zufahrt über die TF-445 ist allerdings reguliert. Zu bestimmten Zeiten dürfen private Fahrzeuge nicht bis Punta de Teno fahren; dann ist unter anderem die Anreise mit dem öffentlichen Bus möglich. Die aktuellen Zeiten sollten unbedingt vor der Fahrt geprüft werden.
Wer Informationen direkt vor Ort benötigt, kann das Besucherzentrum des Teno Ruralparks nutzen:
Centro de Visitantes Los Pedregales:
Finca Los Pedregales, 38480 Buenavista del Norte
Telefon: 922 447 974
E-Mail: tenoparque@tenerife.es
Corona Forestal – der große Waldgürtel rund um den Teide
Der Parque Natural de la Corona Forestal umgibt große Teile des Teide-Nationalparks. Wer beispielsweise von La Esperanza, La Orotava, Vilaflor oder Chío in Richtung Teide fährt, durchquert ausgedehnte Waldgebiete, bevor die Baumgrenze erreicht wird.
Charakteristisch sind die Bestände der Kanarischen Kiefer, die an die Bedingungen vulkanischer Inseln besonders gut angepasst ist. Der Naturpark eignet sich weniger für einen einzigen berühmten Aussichtspunkt als vielmehr für Wanderungen, Waldspaziergänge und längere Touren. Dadurch wirkt er an vielen Stellen deutlich ruhiger als die zentralen Bereiche des Teide-Nationalparks.
Mehrere Erholungsgebiete liegen innerhalb oder am Rand der Corona Forestal. Besonders für Einwohner Teneriffas sind diese Waldgebiete beliebte Ziele für Wochenendausflüge. Bei hoher Waldbrandgefahr, nach Waldbränden oder extremen Wetterereignissen können allerdings Wege, Forstpisten und Freizeitbereiche gesperrt werden. Aktuelle Hinweise des Cabildo beziehungsweise von Tenerife ON sollten daher vor längeren Wanderungen geprüft werden.
Naturreservate und kleinere Schutzgebiete
Neben den großen Parks besitzt Teneriffa zahlreiche weitere geschützte Landschaften. Dazu zählen unter anderem Montaña Roja bei El Médano, das Malpaís de Güímar, das Vulkan- und Waldgebiet Chinyero, das Malpaís de la Rasca bei Palm-Mar sowie der Barranco del Infierno bei Adeje.
Diese Gebiete unterscheiden sich deutlich voneinander. Montaña Roja und Malpaís de la Rasca zeigen trockene Vulkanlandschaften des Südens, während Chinyero für seine historischen Lavaströme und Kiefernwälder bekannt ist. Das Malpaís de Güímar verbindet junge Vulkanformen mit einer trockenen Küstenlandschaft. Beim Barranco del Infierno steht dagegen eine Schluchtenwanderung im Mittelpunkt; hier gelten aufgrund der begrenzten Besucherzahl besondere Zugangsbedingungen.
Der Drago von Icod de los Vinos
Auch einzelne Naturdenkmäler und außergewöhnliche Pflanzen gehören zu den Natursehenswürdigkeiten Teneriffas. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Drago Milenario in Icod de los Vinos. Er liegt nicht in einem der vier großen Naturparks, ist aber ein Wahrzeichen der kanarischen Pflanzenwelt und lässt sich gut mit einem Ausflug in den Nordwesten verbinden.
Welcher Naturpark auf Teneriffa ist der richtige?
- Teide-Nationalpark: die beste Wahl für Vulkanlandschaften, Hochgebirge und den ersten Teneriffa-Besuch.
- Anaga Ruralpark: ideal für Lorbeerwald, grüne Berge, traditionelle Dörfer und wilde Atlantikküste.
- Teno Ruralpark: empfehlenswert für Schluchten, abgelegene Berglandschaften, Masca und Punta de Teno.
- Corona Forestal: besonders interessant für Kiefernwälder, längere Wanderungen und ruhige Naturausflüge.
- Kleinere Schutzgebiete: ideal, wenn man eine Wanderung mit einem Strandtag oder einem regionalen Tagesausflug verbinden möchte.
Praktische Tipps für Wanderungen und Naturausflüge
Die Höhenunterschiede Teneriffas sorgen dafür, dass sich das Wetter innerhalb weniger Kilometer stark verändern kann. Wer morgens bei Sonnenschein an der Küste startet, kann wenig später in Anaga im Nebel stehen oder am Teide Temperaturen erleben, die 15 bis 20 Grad niedriger liegen. Besonders bei Touren ins Hochland sind mehrere Kleidungsschichten sinnvoll.
Für Wanderungen sind feste Schuhe, ausreichend Trinkwasser und Sonnenschutz empfehlenswert. In abgelegenen Teilen von Teno und Anaga gibt es nicht an jedem Ausgangspunkt Geschäfte oder Restaurants. Eine kleine Verpflegung im Rucksack ist daher sinnvoll.
Viele Naturgebiete lassen sich kostenlos besuchen. Kosten entstehen vor allem für besondere Attraktionen, organisierte Touren, die Teide-Seilbahn oder einzelne zugangsbeschränkte Wanderangebote. Wer mit dem eigenen Auto oder Mietwagen unterwegs ist, sollte außerdem berücksichtigen, dass die Parkplätze an bekannten Aussichtspunkten und Wanderwegen begrenzt sind.
Vor anspruchsvolleren Wanderungen empfiehlt es sich, Wegsperrungen, Wetterwarnungen und eventuell notwendige Reservierungen aktuell zu prüfen. Das gilt insbesondere für den Teide-Gipfel, die Masca-Schlucht und stark frequentierte oder ökologisch besonders empfindliche Gebiete.
Fazit: Teneriffas Naturparks zeigen vier völlig verschiedene Welten
Die Naturparks und Schutzgebiete Teneriffas gehören zu den größten Stärken der Insel. Im Teide-Nationalpark dominieren Lava, Felsen und Hochgebirge, während Anaga mit feuchten Lorbeerwäldern und tiefen Schluchten überrascht. Teno zeigt eine abgelegene, wilde Berg- und Küstenlandschaft, und die Corona Forestal bildet mit ihren ausgedehnten Kiefernwäldern den grünen Übergang zum vulkanischen Hochland.
Wer Teneriffa zum ersten Mal besucht, sollte nach Möglichkeit sowohl den Teide als auch Anaga einplanen – der Kontrast zwischen beiden Landschaften ist außergewöhnlich. Für einen längeren Aufenthalt lohnen sich zusätzlich Teno, Corona Forestal und kleinere Schutzgebiete wie Montaña Roja oder Malpaís de Güímar. So wird schnell deutlich, warum Teneriffa weit mehr zu bieten hat als Sonne und Strand.



