Geheimtipps auf Teneriffa: besondere Orte abseits der Touristen
Teneriffa ist für den Teide, die Strände von Costa Adeje, Los Cristianos und die spektakulären Klippen von Los Gigantes bekannt. Doch wer die Insel nur über diese klassischen Sehenswürdigkeiten kennenlernt, verpasst einen großen Teil ihres Reizes. Vor allem im Anaga- und Teno-Gebirge, an der grünen Nordküste und in kleinen Bergdörfern zeigt sich ein deutlich ruhigeres und ursprünglicheres Teneriffa.
Ein Geheimtipp auf Teneriffa muss dabei nicht vollkommen unbekannt sein. Manchmal genügt es, einen bekannten Ort früh am Morgen zu besuchen, eine Nebenstraße zu nehmen oder dort anzuhalten, wo die meisten Ausflugsbusse vorbeifahren. Die folgenden Orte eignen sich besonders für Besucher, die Natur, kleine Dörfer und ungewöhnliche Landschaften abseits der großen Ferienzentren suchen.
Masca: spektakuläres Bergdorf im Teno-Gebirge
Masca gehört mittlerweile zu den bekanntesten Bergdörfern Teneriffas und ist deshalb streng genommen kein Geheimtipp mehr. Trotzdem sollte der Ort in einer solchen Auswahl nicht fehlen. Die Lage zwischen steilen Felswänden und tief eingeschnittenen Schluchten ist auf Teneriffa nahezu einzigartig. Besonders eindrucksvoll ist bereits die kurvenreiche Anfahrt über die TF-436 aus Richtung Santiago del Teide.
Wer nur das Dorf sehen möchte, sollte möglichst früh kommen. Tagsüber können die engen Straßen und Aussichtspunkte stark besucht sein. Für einen kurzen Spaziergang durch Masca und einige Fotostopps reichen etwa ein bis zwei Stunden; zusammen mit der Anfahrt sollte man jedoch deutlich mehr Zeit einplanen.
Die berühmte Wanderung durch den Barranco de Masca ist dagegen kein spontaner Spaziergang. Der Zugang wird reguliert und ist kostenpflichtig; außerdem gelten besondere Vorgaben für Anreise, Ausrüstung und Transport. Wer die Schlucht durchwandern möchte, sollte deshalb unbedingt vor dem Ausflug die aktuellen Bedingungen und verfügbaren Tickets prüfen.
Taganana: ursprüngliches Teneriffa im Anaga-Gebirge
Ganz anders wirkt Taganana im Nordosten der Insel. Das Dorf liegt tief im Anaga-Gebirge und wird über eine kurvenreiche Straße erreicht, die zunächst durch feuchten Lorbeerwald und anschließend hinunter zur zerklüfteten Atlantikküste führt.
Taganana ist kein völlig unbekannter Ort, hat sich aber einen wesentlich ursprünglicheren Charakter bewahrt als die großen Ferienorte im Süden. Kleine Häuser ziehen sich an den Berghängen entlang, dazwischen liegen Terrassenfelder, Palmen und enge Straßen. Für einen Tagesausflug lässt sich Taganana hervorragend mit Cruz del Carmen, Almáciga und der Küstenlandschaft bei Benijo kombinieren.
Wer hier essen möchte, findet entlang der Straße Richtung Küste mehrere kleine kanarische Restaurants. Besonders Fisch, Ziegenkäse, Papas arrugadas und einfache Fleischgerichte passen zu einem Ausflug in diese Gegend besser als ein schnelles touristisches Menü.
Anaga-Gebirge: Lorbeerwald, Nebel und spektakuläre Wanderwege
Der Parque Rural de Anaga ist einer der besten Orte auf Teneriffa, wenn man der typischen Ferienlandschaft entkommen möchte. Dichte Lorbeerwälder, schmale Bergkämme und tiefe Täler schaffen eine Landschaft, die kaum etwas mit dem trockenen Süden der Insel gemeinsam hat.
Ein guter Ausgangspunkt ist Cruz del Carmen. Von hier beginnen verschiedene kurze und längere Wanderwege. Auch wer keine große Tour unternehmen möchte, kann auf kurzen Waldwegen einen guten Eindruck von der Vegetation bekommen. Besonders atmosphärisch ist Anaga bei leichtem Nebel, wenn Wolken durch die alten Lorbeerbäume ziehen.
Eine Jacke gehört trotzdem ins Auto: Zwischen der Küste und den Höhenlagen können Temperatur und Wetter überraschend stark wechseln. Während in Santa Cruz die Sonne scheint, können Cruz del Carmen oder Pico del Inglés gleichzeitig in Wolken liegen.
Teide einmal anders: Kiefernwald statt nur Seilbahn
Der Teide-Nationalpark ist die meistbesuchte Naturlandschaft Teneriffas. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, die Region ruhiger zu erleben. Viele Besucher konzentrieren sich auf die Seilbahn und wenige bekannte Aussichtspunkte. Wer dagegen die gesamte Auffahrt betrachtet, entdeckt schon weit unterhalb der Caldera faszinierende Landschaften.
Besonders schön ist der Übergang vom kanarischen Kiefernwald zur kargen Vulkanlandschaft. Früh am Morgen oder am späten Nachmittag sind viele Stopps entlang der Bergstraßen deutlich ruhiger. Gleichzeitig verändert das flache Licht die Landschaft: Lavafelder, Felsen und der Teide selbst wirken wesentlich plastischer als in der grellen Mittagssonne.
Nach Sonnenuntergang sinkt die Temperatur in über 2.000 Metern Höhe schnell. Selbst an warmen Sommertagen sollte man deshalb für einen späten Teide-Ausflug wärmere Kleidung mitnehmen.
Playa de Benijo: spektakuläre Küste mit derzeit gesperrtem Strandzugang
Die Playa de Benijo liegt hinter Taganana und Almáciga an einer der wildesten Küsten Teneriffas. Schwarzer Sand, mächtige Atlantikwellen und die aus dem Meer ragenden Felsen machen Benijo besonders am späten Nachmittag zu einem beeindruckenden Fotomotiv.
Wichtig: Der eigentliche Strandzugang ist derzeit gesperrt. Nach mehreren Felsstürzen wurde der Zugang im Juli 2024 geschlossen. Im Sommer 2026 arbeitete die Stadt Santa Cruz weiterhin an der Sicherung des Hanges und an der Wiederherstellung des Zugangs. Benijo sollte deshalb momentan als Ziel für die eindrucksvolle Küstenlandschaft betrachtet werden, nicht als verlässlich zugänglicher Badestrand.
Die Fahrt lohnt sich trotzdem, besonders in Verbindung mit Taganana und Almáciga. Vor einem Besuch sollte man den aktuellen Status prüfen, da sich Sperrungen an dieser steilen Küste ändern können.
Playa de Aitamar: eine wirklich abgelegene Küstenlandschaft
Deutlich weniger bekannt als Benijo ist die Playa de Aitamar. Gerade solche schwer zugänglichen Küstenabschnitte zeigen, warum der Norden Teneriffas für Entdecker so interessant ist: schwarzer Vulkansand, Felsen, starke Brandung und kaum touristische Infrastruktur.
Bei abgelegenen Buchten sollte man allerdings zwischen einem schönen Aussichtsziel und einem geeigneten Badestrand unterscheiden. Die Nordküste ist dem offenen Atlantik ausgesetzt. Starke Brandung, Strömungen, Gezeiten und Steinschlag können vermeintlich ruhige Plätze gefährlich machen. Absperrungen und lokale Warnungen sollten daher immer beachtet werden.
Barranco de Ruiz: grüner Geheimtipp im Norden
Ein wesentlich weniger bekanntes Naturziel ist der Barranco de Ruiz zwischen San Juan de la Rambla und Los Realejos. Die 95,6 Hektar große Schlucht steht als „Sitio de Interés Científico“ unter besonderem Schutz. Interessant ist vor allem der Übergang verschiedener Vegetationszonen bis hin zu Resten des Lorbeerwaldes.
Die Zona Recreativa Barranco de Ruiz liegt an der TF-5 bei Kilometer 44,6, kurz vor Las Aguas in San Juan de la Rambla. Dort kann man parken und die Umgebung zu Fuß erkunden. Eine weitere interessante Perspektive bietet der Mirador Fuente del Rey an der TF-342 bei Kilometer 9. Von dort beginnt der historische Camino Risco de Las Pencas, der am Rand des Barranco de Ruiz entlangführt.
Im Vergleich zu Masca oder Anaga begegnet man hier wesentlich weniger internationalen Tagesausflüglern. Gerade deshalb eignet sich die Gegend gut für Reisende, die einen grünen Teil des Nordens entdecken möchten, ohne einen der bekannten Hotspots anzusteuern.
Guachinches: kanarisch essen statt Touristenmenü
Auch kulinarisch findet man das interessantere Teneriffa häufig abseits der Ferienzentren. Typisch für den Norden sind die Guachinches. Ursprünglich handelt es sich um einfache Lokale von Weinbauern, in denen eigener Wein zusammen mit wenigen hausgemachten Gerichten angeboten wird.
Auf der Speisekarte stehen häufig Papas arrugadas mit Mojo, gegrillter Käse, Kichererbseneintopf, Schweinefleisch, Kaninchen oder Carne Fiesta. Die Auswahl ist normalerweise kleiner als in einem Restaurant – gerade das gehört zum Konzept.
Besonders viele Guachinches findet man rund um La Orotava, Santa Úrsula, La Victoria, La Matanza und Tacoronte. Für ein einfaches Essen sollte man grob mit etwa 15 bis 25 Euro pro Person rechnen, abhängig von Lokal, Getränken und bestellten Gerichten. Manche traditionelle Guachinches öffnen nur saisonal, weshalb es sinnvoll ist, die Öffnungszeiten vor der Anfahrt zu prüfen.
So entdeckt man Teneriffa abseits der üblichen Routen
Früh losfahren
Bei Masca, Anaga und im Teide-Nationalpark macht die Tageszeit einen erheblichen Unterschied. Wer am Morgen unterwegs ist, findet leichter Parkmöglichkeiten und erlebt Aussichtspunkte oft noch vor den großen Besucherströmen.
Nicht zu viel für einen Tag planen
Entfernungen auf Teneriffa können täuschen. 30 Kilometer über eine Bergstraße sind etwas völlig anderes als 30 Kilometer auf der TF-1. Für Taganana, Anaga oder Masca sollte man deshalb großzügig Zeit einplanen.
Nicht einfach jede Nebenstraße hinunterfahren
Spontanes Entdecken kann reizvoll sein, aber einige Straßen enden in winzigen Dörfern, privaten Zufahrten oder extrem engen Gassen. Besser ist es, vorher kurz zu prüfen, ob eine Straße öffentlich befahrbar ist und ob am Ziel eine Wendemöglichkeit oder ein Parkplatz existiert.
Sperrungen und Wetter ernst nehmen
Steinschlag, Waldbrandgefahr, hoher Wellengang und Bauarbeiten können Wanderwege oder Küstenzugänge kurzfristig unpassierbar machen. Besonders bei abgelegenen Stränden und Bergwanderungen sollte deshalb der aktuelle Zustand vor der Abfahrt geprüft werden.
Fazit: Das andere Teneriffa beginnt hinter den bekannten Sehenswürdigkeiten
Die besten Geheimtipps auf Teneriffa sind nicht zwangsläufig Orte, die auf keiner Karte stehen. Oft geht es vielmehr darum, bekannte Regionen anders zu erleben. Masca am frühen Morgen, ein Spaziergang durch den Lorbeerwald von Anaga, die wilde Küste hinter Taganana oder ein Essen in einem Guachinche vermitteln ein völlig anderes Bild der Insel als ein Tag zwischen Hotel, Einkaufszentrum und Strandpromenade.
Wer noch weniger besuchte Orte sucht, sollte den Norden genauer erkunden. Der Barranco de Ruiz, kleine Küstensiedlungen und die Bergstraßen oberhalb der touristischen Zentren bieten zahlreiche Möglichkeiten. Dabei lohnt es sich, langsam zu reisen: Nicht möglichst viele Sehenswürdigkeiten an einem Tag machen Teneriffa interessant, sondern die Orte, an denen man genügend Zeit hat, tatsächlich anzuhalten und sich umzusehen.





