Geheimtipps auf Teneriffa: Versteckte Buchten und wilde Naturstrände
Teneriffa hat weit mehr zu bieten als die bekannten Strände von Costa Adeje, Los Cristianos oder Puerto de la Cruz. Besonders an der zerklüfteten Nordküste und im Anaga-Gebirge verstecken sich Buchten, schwarze Vulkanstrände und kleine Küstenorte, die einen völlig anderen Eindruck von der Insel vermitteln. Einige sind nur über Wanderwege oder per Boot erreichbar, andere liegen überraschend nah an den touristischen Zentren.
Allerdings bedeutet „Geheimtipp“ auf Teneriffa nicht automatisch, dass ein Strand jederzeit zugänglich oder zum Baden geeignet ist. Steinschlag, starke Brandung und schwierige Wege spielen an der wilden Küste eine wichtige Rolle. Gerade bei Playa de Benijo und Playa de los Patos gelten derzeit Zugangsbeschränkungen. Dieser Guide zeigt deshalb nicht nur die schönsten Orte, sondern auch, welche Buchten sich für welchen Ausflug eignen.
Playa de Benijo – spektakuläre Landschaft im Anaga-Gebirge
Die Playa de Benijo liegt hinter Taganana und Almáciga im Nordosten Teneriffas und gehört zu den eindrucksvollsten Küstenlandschaften der Insel. Schwarzer Vulkansand, die hohen Berge des Anaga-Massivs und die markanten Felsen vor der Küste machen Benijo besonders am späten Nachmittag zu einem hervorragenden Fotomotiv.
Der Strand ist etwa 300 Meter lang und besteht aus dunklem Sand. Bei Flut kann die Sandfläche fast vollständig verschwinden. Auch die Brandung sollte man nicht unterschätzen: Benijo ist eher ein Ziel für Landschaft, Spaziergänge und Fotografie als für einen klassischen Familienbadetag.
Aktueller Hinweis 2026: Der reguläre Zugang zur Playa de Benijo ist weiterhin offiziell geschlossen. Nach wiederholten Steinschlägen wurde die Sperrung bereits im Juli 2024 angeordnet. Ende Juli 2026 bestätigte die Stadt Santa Cruz erneut, dass die Playa seit zwei Jahren geschlossen ist; unerlaubtes Betreten kann inzwischen auch sanktioniert werden. Eine Wiederherstellung und Sicherung des Hangs ist geplant.
Die Fahrt nach Benijo lohnt sich trotzdem für die Landschaft des Anaga-Gebirges und die Aussichtspunkte entlang der Küste. In Taganana, Almáciga und im Bereich Roque de las Bodegas findet man außerdem kleine Restaurants mit kanarischer Küche und frischem Fisch. Wer tatsächlich an den Strand möchte, sollte dagegen erst nach einer offiziellen Wiedereröffnung planen.
Playa de Antequera – eine der abgelegensten Buchten Teneriffas
Die Playa de Antequera ist ein wesentlich echterer Geheimtipp. Sie liegt bei Igueste de San Andrés auf der Südostseite des Anaga-Massivs und besitzt keinen normalen Straßenzugang. Man erreicht die etwa 400 Meter lange Bucht entweder über einen anspruchsvollen Wanderweg oder vom Meer aus.
Eine wichtige Korrektur gegenüber älteren Beschreibungen: Antequera besitzt keinen typisch hellen Sandstrand. Die offizielle Tourismusinformation beschreibt sehr feinen grauen beziehungsweise dunklen Sand. Bei Hochwasser kann der Strand fast vollständig vom Meer bedeckt werden, weshalb ein Besuch bei Ebbe wesentlich sinnvoller ist.
Der Fußweg gilt als schwierig und verlangt gute Kondition und Wandererfahrung. Für Besucher, die Antequera hauptsächlich wegen der Bucht sehen möchten, ist eine Bootsfahrt meist die angenehmere Lösung. Solche Ausflüge werden je nach Saison und Wetterbedingungen aus dem Raum Santa Cruz und San Andrés angeboten.
Direkt am Strand gibt es keine Gastronomie, Duschen, Toiletten oder andere touristische Infrastruktur. Wer wandert, sollte deshalb ausreichend Trinkwasser, Sonnenschutz und Verpflegung mitnehmen. Für Familien mit kleinen Kindern oder Besucher, die einen komfortablen Badetag suchen, ist Antequera kaum geeignet – für erfahrene Wanderer dagegen gehört die Bucht zu den interessantesten Küstenzielen Teneriffas.
Playa de los Patos – schwarzer Naturstrand im Norden
Die Playa de los Patos, auch als Playa Martínez Alonso bekannt, liegt im Gebiet El Rincón in La Orotava. Der lange schwarze Naturstrand befindet sich unterhalb einer eindrucksvollen Steilküste und gilt landschaftlich als einer der schönsten Strände im Norden Teneriffas.
Die Kombination aus schwarzem Vulkansand, grünen Hängen und kräftiger Atlantikbrandung ist außergewöhnlich. Der Strand ist rund 900 Meter lang, besitzt keinen Wellenbrecher und ist auch bei Surfern und Bodyboardern bekannt.
Derzeit sollte Playa de los Patos jedoch nicht als Badeziel eingeplant werden. Die Gemeinde La Orotava weist aktuell ausdrücklich darauf hin, dass der Zugang wegen Arbeiten geschlossen ist. Die Zugänge befinden sich im Wiederaufbau. Absperrungen sollten keinesfalls umgangen werden.
Wer in dieser Gegend einen schwarzen Naturstrand besuchen möchte, findet mit dem nur wenige Kilometer entfernten Bollullo eine deutlich praktischere Alternative.
Playa del Bollullo – die beste Alternative im Norden
Die Playa del Bollullo liegt ebenfalls in El Rincón bei La Orotava und verbindet eine eindrucksvolle Naturkulisse mit vergleichsweise einfacher Erreichbarkeit. Der etwa 200 Meter lange Strand besteht aus feinem schwarzem Vulkansand und wird von steilen Küstenhängen und Bananenplantagen eingerahmt.
Bollullo ist kein vollkommen einsamer Strand mehr, wirkt aber wesentlich ursprünglicher als Playa Jardín oder die großen Strände im Süden. Die offizielle Tourismusinformation nennt einen Fußweg von ungefähr 45 Minuten von Puerto de la Cruz. Alternativ kann man mit dem Auto in Richtung El Rincón fahren und den letzten Abschnitt über Treppen hinuntergehen.
Parkplätze sind begrenzt, weshalb sich eine frühe Anreise lohnt. Anders als an Antequera gibt es hier eine gewisse Infrastruktur mit Gastronomie sowie saisonalen Angeboten wie Liegen und Sonnenschirmen. Dadurch ist Bollullo die bessere Wahl für Besucher, die Naturstrand und Komfort miteinander verbinden möchten.
Beim Baden ist trotzdem Vorsicht erforderlich. Die Nordküste ist für kräftige Wellen und Strömungen bekannt, und auch am Bollullo kann das Meer selbst an sonnigen Tagen deutlich rauer sein als an geschützten Stränden im Süden.
Playa de Diego Hernández – der „Hippie-Strand“ bei Costa Adeje
Im Süden Teneriffas liegt zwischen La Caleta und El Puertito de Adeje die Playa de Diego Hernández. Die kleine Bucht unterscheidet sich deutlich von den schwarzen Vulkanstränden im Norden: heller bis goldfarbener Sand, trockenes Küstenland und bei ruhigem Meer klares türkisfarbenes Wasser bestimmen hier das Landschaftsbild.
Direkt mit dem Auto kann man den Strand nicht erreichen. Üblicherweise kommt man zu Fuß über Wege entlang der Küste oder vom Meer aus zur Bucht. Genau diese fehlende Straßenanbindung sorgt dafür, dass Diego Hernández trotz seiner Lage in der touristisch stark entwickelten Gemeinde Adeje vergleichsweise naturbelassen wirkt.
Der Strand wird häufig als „Hippie-Strand“ bezeichnet und ist auch bei FKK-Badegästen bekannt. Man sollte allerdings keine touristische Strandpromenade erwarten: Liegestuhlreihen, große Restaurants und umfangreiche Serviceangebote gibt es direkt in der Bucht nicht.
Wer einen komfortablen Strandtag mit Restaurants, Duschen und einfacher Zufahrt möchte, ist an Playa del Duque oder Fañabé besser aufgehoben. Wer dagegen eine kleine Wanderung mit einer naturbelassenen Bucht verbinden möchte, findet Diego Hernández wesentlich interessanter.
Roque Bermejo – Teneriffa fast am Ende der Welt
Roque Bermejo liegt am äußersten Nordostende des Anaga-Gebirges unterhalb des Faro de Anaga. Der kleine Küstenweiler ist nicht über eine normale Straße erreichbar und gehört deshalb zu den abgeschiedensten bewohnten Küstenorten Teneriffas.
Eine bekannte Möglichkeit ist die Wanderung aus dem Bergdorf Chamorga in Richtung Faro de Anaga und Roque Bermejo. Der Ausflug sollte allerdings nicht mit einem kurzen Strandspaziergang verwechselt werden. Höhenunterschiede, wenig Schatten und der lange Rückweg machen ausreichend Wasser, Sonnenschutz und festes Schuhwerk notwendig.
Die kleine Badezone besteht je nach Meeresbedingungen aus dunklem Sand, Kies und Vulkansteinen. Der eigentliche Reiz liegt weniger im Strandkomfort als in der abgeschiedenen Landschaft. Für Wanderer ist Roque Bermejo deshalb wesentlich interessanter als für Urlauber, die lediglich einen Platz zum Sonnenbaden suchen.
Welche versteckte Bucht passt zu welchem Besucher?
Wer ohne große Wanderung einen natürlichen schwarzen Strand erleben möchte, fährt am besten zum Bollullo. Für eine Kombination aus Küstenwanderung und Badebucht im sonnigen Süden ist Diego Hernández interessant.
Antequera ist dagegen ein Ziel für erfahrene Wanderer oder Besucher, die eine Bootsanreise organisieren. Roque Bermejo lohnt sich besonders als Bestandteil einer längeren Wanderung durch Anaga. Benijo und Los Patos gehören landschaftlich zu den schönsten Orten dieser Liste, sollten aufgrund ihrer derzeitigen offiziellen Zugangssperren aber nicht als Strandbesuch geplant werden.
Praktische Tipps für versteckte Strände auf Teneriffa
- Gezeiten kontrollieren: Bei Antequera und Benijo kann bei Flut ein großer Teil der Sandfläche verschwinden.
- Wellen nicht unterschätzen: Vor allem an der Nord- und Nordostküste treten kräftige Brandung und gefährliche Strömungen auf.
- Wasser mitnehmen: Antequera, Roque Bermejo und Diego Hernández verfügen direkt am Strand über wenig oder keine Infrastruktur.
- Festes Schuhwerk tragen: Für Antequera, Roque Bermejo und die Wege rund um Diego Hernández sind Wanderschuhe oder stabile Sportschuhe sinnvoll.
- Früh starten: Gerade im Sommer werden die Wanderungen in der Mittagssonne deutlich anstrengender.
- Aktuelle Sperrungen prüfen: Steinschläge und Unwetterschäden können an der Steilküste kurzfristig zu Zugangsbeschränkungen führen.
- Absperrungen respektieren: Alternative Trampelpfade machen einen offiziell gesperrten Strand nicht zugänglich.
- Müll wieder mitnehmen: An abgelegenen Buchten fehlen häufig Abfallbehälter und regelmäßige Reinigungsdienste.
Fazit: Die wilde Seite Teneriffas entdecken
Die versteckten Buchten Teneriffas zeigen eine Seite der Insel, die zwischen Hotelanlagen und bekannten Ausflugszielen leicht übersehen wird. Besonders das Anaga-Gebirge bietet mit Antequera und Roque Bermejo außergewöhnlich abgelegene Küstenlandschaften, während Playa del Bollullo einen guten Kompromiss zwischen Natur und einfacher Erreichbarkeit darstellt.
Im Süden ist Diego Hernández eine interessante Alternative zu den stark erschlossenen Stränden von Costa Adeje. Bei Benijo und Los Patos zeigt sich dagegen, warum bei Naturstränden aktuelle Informationen wichtig sind: Beide Orte sind wunderschön, ihre offiziellen Zugänge sind derzeit jedoch geschlossen.
Wer Wetter, Gezeiten, Wegbedingungen und lokale Sperrungen berücksichtigt, kann auf Teneriffa noch immer erstaunlich ursprüngliche Küstenabschnitte entdecken. Gerade diese Mischung aus schwarzem Vulkansand, schroffen Bergen, kleinen Buchten und offenem Atlantik macht die weniger bekannten Strände zu einigen der eindrucksvollsten Orten der Insel.



